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Ein Rückblick

Was zuerst nur als kleine Ausstellung gedacht war, entwickelte sich zu einem 3-tägigen Kongress zur DROGENKULTUR

Neben vielen interessanten Vorträgen von einigen Größen der zeitgenössischen psychoaktiven Rauschkultur und des Legalisierungsaktivismus wurde auch die Community durch verschiedene Workshops ins Programmgeschehen mit einbezogen. Zudem haben wir durch unsere Ausstellung Einblicke in die Werke psychedelischer Künstler gegeben und die Besucher konnten ihre Sinne mithilfe von multimedialen Installationen stimulieren und dadurch erweitern lassen. Durch verschiedene Informationsstände gab es die Möglichkeit, seinen Wissensschatz zu den Themen Substanzkunde und Safer-Use anzureichern und die Besucher konnten sich über die neuen Bucherscheinungen zur psychoaktiven Kultur informieren.

Im Großen und Ganzen war die Veranstaltung ein voller Erfolg und im Folgenden soll versucht werden, einen kurzen Rückblick zu dem Wochenende zu geben.

Finanzielle Unterstützung

Die Veranstaltung wurde durch einen Kulturbeitrag finanziert, den die Besucher selbst wählen konnten. Leider reichte das gesammelte Geld nicht für eine Refinanzierung aller Ausgaben und wir mussten auf die angesparten Rücklagen aus den vergangenen Events zurückgreifen. Das bedeutet, dass unsere Kasse nahezu ausgeschöpft ist und wir für die Umsetzung der kommenden Events auf eure Unterstützung angewiesen sind.

Wenn ihr unsere Arbeit wertvoll findet und möchtet, dass wir unsere Ideen weiterhin umsetzen, dann supportet uns über Ko-fi!

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Freitagnachmittag mit einer Rede von Max Wüsten, der als längstes bestehendes Teammitglied die Psychedelic Society Leipzig (damals noch Psychedelic Salon Leipzig) ein paar Jahre alleine geleitet hat und die Anfänge miterlebt hatte. Zum Einstieg gab es einen groben Überblick zur Entstehungsgeschichte bis hin zu all den Aktivitäten, die mittlerweile durch unser starkes Kernteam realisiert werden konnten und verdeutlichen, dass sich unser Projekt weit über das Ursprungsformat hinaus weiterentwickelt hat. Die Psychedelische Renaissance trieb also auch hier neue Früchte und damit einhergehend hat sich die Psychedelic Society Leipzig auch von alten Bündnissen getrennt. Seit Mai 2021 agieren wir unabhängig von der Psychedelic Society Germany, haben uns neu ausgerichtet, unser Projekt für neue Menschen geöffnet und sind stetig dabei, innovative Ideen und Visionen zu etablieren. Aktuell haben sich die Arbeitgemeinschaften PR, Event, Radio und PsyCare bereits realisiert oder befinden sich im strukturellen Aufbau.

Danach wurden die Zuhörer auf eine poetische Reise mitgenommen. Code Kosmo führte sie wortgewandt mit seinem Text “Das Leben gebärt sich mystisch” in die Sphären der Bewusstseinsveränderung mit endogenen Substanzen – also alleinig durch körpereigene “Drogen”.

Mit dem ersten Vortrag kam Steffen Geyer mit seinem Thema „BtMG abschaffen – und dann?“ an die Reihe und schnell war klar, dass sich seine Jahrzehnte lange Erfahrung als Legalisierungsaktivist auf der Bühne und auf zahlreichen Demonstrationen bezahlt gemacht hat. Denn nicht nur mit seiner humorvollen und authentischen Art, sondern auch durch seine zielgerichtete Argumentation, konnte er manch einen aus dem Publikum davon überzeugen, die eigenen Vorbehalte gegenüber der Abschaffung des Betäubungsmittelgesetzes noch einmal zu überdenken.

Wer schon das Potenzial veränderter Bewusstseinszustände erfahren hat, dem drängt sich womöglich der Glaube auf, damit die Welt von all dem schlechten Ballast zu befreien, dass dem menschlichen Wesen anzuhaften scheint. Nicht Wenige erlagen der Versuchung, der ganzen Menschheit LSD zuzuführen, um einen gesellschaftlichen Wandel zu forcieren. Doch die Bestrebungen der CIA, Substanzen wie LSD als Waffe zu instrumentalisieren, zeugen von dessen Potenzial, bestimmte Geisteshaltungen zu verstärken, anstatt sie aufzulösen. Inwiefern sich dieses Potenzial entfalten kann, handelte der Vortrag “Polarisierte (Drogen-)Welten” von Dirk Netter.

Wir hören ja oft etwas von der Psychedelischen Renaissance. Dabei drängt sich die Frage auf, wie sich die erste psychedelische Welle eigentlich durch die Gesellschaft wogte und woran sie sich schlussendlich brach. Denn um die führenden Gestalten dieser Epoche ist es heute seltsam still geworden. Und wo die Forschung das Potenzial psychedelischer Zustände wieder neu entdeckt, fragt man sich, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass diese Zustände so stigmatisiert wurden. Dazu gab Dr. Robert Feustel mit seinem Vortrag über die „Ambivalenzen von Wahrheitsdrogen“ einen Einblick und eröffnete damit den Samstag.

Wie wir über “Drogen” und “Sucht” sprechen können, ohne mit unserer Wortwahl andere zu diskriminieren, wurde praxisnah von Philine Edbauer in ihrem Workshop “Gegen das Stigma” gemeinsam mit den Teilnehmenden erarbeitet.

Ihr Projekt #MBMC startete pünktlich zum Weltdrogentag am 26.06. eine neue Kampagne und stellt 13 Forderungen für die Entkriminalisierung von Personen, die illegale Drogen gebrauchen. Dazu lädt euch die Initiative zur Diskussion auf https://www.entkriminalisierung.info/ ein.

Der Pilzzucht-Workshop von Michael Ganslmeier war noch besser besucht, als wir erwartet hatten. Die rege Beteiligung ist aber bestimmt nicht nur dem spannenden Thema geschuldet, sondern auch dem praxisnahen Konzept des Workshops und der offenen Art von Michael, mit der keine Frage der Teilnehmenden unbeantwortet blieb.

Robot HeartLab konnte am Samstag mit INVISOLO – GEHEIMNISVOLLE PORTALE IN DIE UNENDLICHKEIT die Besucher in ihren Bann ziehen. Die interaktive fraktale Visualisierung generiert mithilfe der Umwelt immer neue Farben, Formen und Muster. Mit einem optischen und akustischen Feedback-Loop gefüttert, entstehen fortwährend bewegende Tunnel/Portale in die Unendlichkeit. Jeder war eingeladen, Teil dieser Fraktalwelt zu werden und sich auszuprobieren.

Durch die musikalische Unterhaltung am Samstagabend konnte der Tanzdrang gestillt werden und wer noch nicht genug schwitzte und sich noch ein wenig bewegen wollte, hatte die Möglichkeit in den Genuss des Leipziger Dj Tom Doux kommen.

Der Sonntag begann mit einem kritischen Vortrag zu den „dunklen Seiten des psychedelischen Booms“, mit dem Nadja Schollenberger die Gefahren von Macht und Missbrauch in der psychedelischen Szene und die Kommerzialisierung von Psychedelik beleuchtete. Es wurden Strategien vorgestellt und Tipps gegeben, die dabei helfen können, den richtigen Retreat-Anbieter herauszufiltern. 

Das Team von miraculix ist unserer Einladung nun schon zum zweiten Mal gefolgt und auch diesmal hat Dr. Felix Blei darüber aufgeklärt, wie Drug Checking abläuft, welche Trends sich in der Praxis abzeichnen und inwieweit das Testverfahren die Gefahren von Streckmitteln beim Konsum von psychoaktiven Substanzen mindern kann.

Ein ganz besonderes DANKE geht an Michael Kleim. Auch er hat auch schon zum zweiten Mal einen Vortrag bei uns gehalten und wer seinen Vortrag MÖRDERISCHE NÜCHTERNHEIT – Menschenrechte und Prohibition verpasst hat, kann ihn auf unserem YouTube-Kanal nachhören. Michael zeigt großes Engagement als Prohibitionsgegner und Menschenrechtsaktivist und hält nicht nur Vorträge und schreibt Artikel in Fachzeitschriften, sondern ist auch auf den bekannten Social-Media-Kanälen sehr aktiv. Er klärt auf und motiviert viele Menschen – nicht nur spezifisch gegen die Drogenprohibition, sondern allgemein gegen Menschenrechtsverletzungen – aktiv zu werden. Von ihm kam der Impuls, die Ausstellung „DrogenKultur“ von der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V. nach Leipzig zu holen und an dieser Stelle möchten wir auch ein herzliches Dankeschön an die HBS richten, die uns bei der Ausrichtung ihrer Ausstellung immer offen und freundlich unterstützt hat.

Den Abschluss des Hauptprogramms machte die heißersehnte Podiumsdiskussion, die sich den drei Leitfragen der Veranstaltung widmete:

  • Warum berauschen wir uns?
  • Sollten wir alle Drogen legalisieren?
  • Ist die Zukunft psychedelisch?

Darüber diskutierten Max Wüsten, Felix Blei, Nadja Schollenberger, Michael Kleim und Philine Edbauer und wagten dabei einen kleinen Ausblick in die Zukunft unserer Drogenkultur.

Wer Interesse an den neusten Bucherscheinungen zu den vielfältigen Themen der psychoaktiven Wissenschaft, Kultur und Ethnobotanik hatte, konnte sich an dem Stand vom Team des Nachtschatten Verlages informieren.

 

Direkt gegenüber wurde von den Drug Scouts mit ihren Informationsmaterialien über verschiedene psychoaktive Substanzen aufgeklärt und Safer-Use-Materialien konnten für das nächste Feierabenteuer mitgenommen werden.

In unserem Außenbereich war das Psy-Kollektiv fast rund um die Uhr präsent und hat eure Fragen u.a. zur Integration von psychedelischen Erfahrungen beantwortet und falls Leute etwas auf dem Herzen hatten, wurde sich ihnen liebevoll und in vertrauensvoller Atmosphäre angenommen. Zudem war es ein idealer Platz, um sich über seine Trip-Erfahrungen auszutauschen.

Auch in den Toiletten hat unsere Drogenkultur an den Wänden der Räumlichkeiten Einzug gehalten. Wo sonst in Clubs versteckt das Pülverchen durch die Nase gezogen wird, hingen dort überall Drogen-Memes, die den Besuchern beim kurzen Zwischenstopp ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Denn mit dem Blick Richtung Spiegel befand man sich gedanklich schnell in die Filmszene von “Fear and Loathing in Las Vegas” versetzt und die kontroversen Abbildungen taugten zudem als idealer Gesprächsstoff, um sich mit dem Toilettennachbarn auszutauschen.

Sobald es dunkel geworden ist, waberte das Mapping von Mischlichter an der Decke vom Treppenhaus und hat so manch einen Besucher auf eine kurze Reise in die fraktalen Welten entführt und zum Staunen gebracht. Wer noch mehr von Alex bestaunen möchte, wird auf seinem YouTube-Kanal fündig.

 

Mit psychedelischer Fraktalart unterstütze auch Schizo nahezu jeden Veranstaltungsraum – ob an den Wänden im Treppenhaus, im Innenbreich oder durch das LED-Banner im Außenbereich, das Albert Hofmann, den Entdecker des LSD, in leuchtenden Farben auf dem Fahrrad am legendären „Bicycle-Day“ in Szene setzte.

Filip Záruba, den die meisten als Regisseur des Dokumentarfilms „Bufo Alvarius – The Underground Secret“ kennen, hat sich schon lange der psychedelischen Kunst hingegeben. Zum Abschluss unseres 3-tägigen Kongresses haben wir seinen Film vorgeführt und alle konnten in gemütlicher Atmosphäre während des Schauens das aufregende Wochenende ausklingen lassen. Auch einige seiner Kunstwerke haben den Weg in unsere Ausstellung gefunden und den Besuchern wird beim Anblick seiner visionären Kunst nicht entgangen sein, dass er seine Inspirationsquelle in psychoaktiven Substanzen, wie Ayahuasca und 5-MeO-DMT findet.

Hyperraum ist ein Projekt von Maximilian Wüsten, ein Mitglied von der Psychedelic Society Leipzig und setzt sich seit 2016 für eine offene und bewusste psychedelische Kultur ein. Bei YouTube erreichte das Projekt mit dem gleichnamigen Kanal zwischenzeitlich über 30.000 Abonnenten. Dann wurde der Kanal im April 2021 von YouTube aufgrund von angeblich „schädlichen Inhalten“ gelöscht. Bei YouTube wurden hunderte Erfahrungsberichte und Aufklärungsvideos mit wichtigen Hinweisen zu Safer-Use geteilt, die für viele junge Menschen eine wichtige Anlaufstelle waren, um an Informationen rund um Psychedelika und allgemein zu psychoaktiven Substanzen zu gelangen. Die Löschung seitens YouTube zeigt deutlich, dass durch das noch immer vorherrschende Stigma die Aufklärungsarbeit zum Thema “Drogen” maßgeblich erschwert wird. Das Projekt ist seitdem noch immer über die Webseite hyperraum.vision, auf Instagram und bei Facebook aktiv in der Aufklärung über Psychedelika und verwandte Themen. Neben den Aufklärungsinhalten teilt Maximilian Wüsten über Hyperraum auch seine Kunst, die grundlegend durch seine psychedelischen Erfahrungen geprägt ist und zum Teil unter dem Einfluss verschiedener Drogen entstanden ist. Eine kleine Auswahl dieser Werke wurde bei unserem Event ausgestellt.

Mit ihrer visionären Kunst haben Liú Quara und ihr Künstlerkollege Ricardo Pacheco die Wände unserer Ausstellung geschmückt. Liú hat die Inspiration ihrer Kunst in der Psy-Musik, in der Natur und auf Streifzügen in Abrisshäusern gefunden und transformiert sie seither auf Leinwänden und durch ihre Deko auf Partys.

Mit einer besonderen Mind Experience haben Johannes mit seiner VR-Brille und Stefan von RE:SORB mit seinen Hyperspace Capsules die Sinne der Besucher verwöhnt.

 

Ganz großen Dank gilt auch Jolu, der von der gesamten Veranstaltung einen 3D-Scan erstellt hat und dadurch eine virtuelle Realität erschaffen hat.

Durch den direkten Austausch mit euch – der psychedelischen Community – geht klar hervor, dass wir euch mit den Vorträgen über Themen wie Heilsversprechen, rechtsorientierte Protagonisten in der Szene, Machtmissbrauch und sichere Retreats abholen konnten und ihr euch einen kritischen Blick auf die psychedelische Szene wünscht. Psychedelika sind nicht das Allheilmittel und daher reicht es nicht aus, bei Konflikten mit anderen Menschen oder bei psychischen Beschwerden einfach nur eine höhere Dosis „Medizin“ zu nehmen und schon wird alles gut. Dass diese Herangehensweise naiv ist und ihr als Community großes Interesse an Aufklärung, Transparenz und Safe Spaces habt, hat sich durch euer Feedback abgezeichnet. An dieser Stelle gilt ein großes Dankeschön an die Vortragenden, die diese Themenschwerpunkte in ihren Vorträgen in den Fokus gerückt haben.

Dass die Besucher unserer Veranstaltung bereit waren – trotz der enormen Hitze – den Weg auf sich zu nehmen, um mit uns gemeinsam um die Wette zu schwitzen, ist ein großes Geschenk für uns und wird unserem ersten Event in dieser Größenordnung mehr als gerecht. Allerdings werden die nahezu 40 °C auch dazu geführt haben, dass weit mehr Menschen Lust darauf hatten, dieses Wochenende lieber am See zu verbringen oder es sich mit einem Kübel voller Eiswürfel und einem Ventilator vor dem Gesicht Zuhause gemütlich zu machen. Daher soll zu guter Letzt noch einmal darauf hingewiesen werden, dass wir über jede Spende dankbar sind, um mit den finanziellen Ressourcen zukünftig weitere Events zu organisieren.

Was für unsere Veranstaltung entscheidend war, ist die Hilfsbereitschaft währenddessen gewesen. Ein riesiges DANKESCHÖN geht an unsere Helfergruppe, die mit vollem Tatendrang und ihrer Spontanität immerzu am Start war. Es haben so viele Hände mit angepackt und wir alle haben gemeinsam als Community einen wundervollen Ort kreiert, der auch ohne die Einnahme von psychoaktiven Substanzen, eine psychedelische Atmosphäre entfachte und einen Safe Space geschaffen hat.

Wir können es nicht oft genug sagen: Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen! DANKE!